Mittwoch, 24. Dezember 2008
Merry Christmas!
So, nun ist er also da, der 24. Dezember. In Irland (und GB) ist der 25. zwar wichtiger, trotzdem meld ich mich heute noch Mal. Frohe Weihnachten alle zusammen! Seht das Fest in seinem eigentlichen Sinne, ohne Konsum, extrahiert eine Botschaft der Menschlichkeit vom religiösen Gebrabbel, und vor allem: lasst euch nicht von ultra-gebildeten Teilzeitnihilisten sagen, dass der Weihnachtsmann von CocaCola erfunden wurde! Sonst gibts keine Geschenke ;)
Hier ist sonst alles wunderbar, meine Eltern sind in der Stadt, in vier Tagen kommt Anne über Silvester. Das Wetter ist mild, und grade erstaunlicherweise trocken. Die Vögel singen, der Verkehr ist von den ganzen Weihnachtseinkäufern total überlastet und alle werfen sich ein fröhliches "Merry Christmas" zu... Wie daheim, mehr oder weniger^^
Sonst ist auch alles klar, an der Zimmerfront gibts nicht neues, die Decke tropft bei starkem Regen wieder und das Chaos ist das selbe wie immer. Heute komm ich von der Arbeit heim, und im Haus verteilt find ich vier leere Weinflaschen und keine Menschen, die lagen alle im Bett. Gemeinheit, sowas...
Ach, und wer sich wundert, dass mein Counter wieder bei 0 angefangen hat: der Server des Anbieters hatte nen Crash, also zählt einfach 1300 oder so dazu ;)
Frohe Feiertage!
Euer Phil
Freitag, 19. Dezember 2008
London! Teil 3
Auf dem Bahnsteig 9 3/4 mussten wir allerdings feststellen, dass kein Zug da stand, also zurück zum Hostel, mit einem Abstecher über das Kino (Burn After Reading, göttlich!) und ein Pub (Ale ist... gewöhnungsbedürftig)
Oh, und an dem Tag waren wir auch im British Museum, sehr interessante Ausstellung über die Assyrer, Ägypter und noch ein paar andere...
Am letzten Tag waren wir noch in der National Gallery (lohnenswert). Von selbiger aus kann man den Trafalgar Square wunderbar überblicken, mit Big Ben im Hintergrund:
Danach gings dann zurück zum Flughafen, nach Shannon und dann nach Galway.
Fazit: London ist eine sehr interessante Stadt. Viel zu sehen, viel zu erleben. Es gibt irre viele Museen, die zum Großteil auch kostenlos sind, tolle Architektur, Läden Großstadtflair. Es gibt Kinos, Theater, Comedybühnen, Musicals, und so weiter. Wenn man das nötige Kleingeld hat. Eine Kinokarte kostet zwischen 8 und 15 Pfund (11,90-20€), vom Theater ganz zu schweigen, da fängts bei 20€ für einen Platz mit "Sichtbeschränkungen" in der letzten Reihe auf dem Balkon erst an, und härt bei ungefähr 130€ für eine reguläre Vorstellung auf. Essen ist auch sehr teuer, Nahverkehr auch, Bier ist wie in Irland, also auch teuer. Und shoppen kann man zwar sehr gut, aber auch nur mit viel Geld aufm Konto...
Und dazu kommt: es ist eine Großstadt. So viele Menschen, so viel Trubel, Lärm, Lichter, Polizei und Chaos hab ich selten gesehen. Für die vier Tage war es durchaus okay, aber wohnen könnte ich da nicht. Die Stadt ist einfach riesig, man verliert sehr leicht die Orientierung, und Natur.. naja, die Parks sind nett, aber keine Alternative.
Also, für einen Kurzurlaub ist die Stadt top! Sehr zu empfehlen für Kultur, Sightseeing, Shopping und Wahnsinn...
Bis die Tage!
Euer Phil
London! Teil 2
Am nächsten Tag ging es dann zum "Changing of the Guards", dem Wachwechsel der Palastwachen vor dem Buckingham Palace. Klaus hat das recht treffend zusammengefasst: "Wie Kölner Karneval". Die kommen an, spielen Musik, stehen rum, schreien ein bisschen, spielen mehr Musik, gehen wieder... Naja, wir haben dann Wachen für ein weiteres Touriphoto gesucht. Und was für eins...
Nachdem wir vor dem bösen Blick der Wache geflüchtet sind, ging es weiter zu St. James Green, einer Parkanlage neben dem Buckingham Palace. Und was gabs da? Eichhörnchen!
Und was für welche! Die totalen Killerviecher! Hungrig und überfüttert wie sie waren, sind sie auf Klaus und mich losgegangen um uns Erdnüsse zu entlocken. Das sah dann so aus (aus Klaus' Perspektive):
Und meine Perspektive? Sehr Eichhörnchenlastig...
London! Teil 1
Letztes Wochenende war ich mit Klaus in London. Wir haben einen grandios teuren Flug für 2 Cent hin und zurück bekommen, weswegen wir nicht lange gefackelt haben. Also ab in den Bus um 3:30am zum Shannon Airport, in den Ryanair-Flieger und ab nach London!
Dort angekommen erwartete uns das schönste Londoner Wetter: Regen und Nebel. Aber okay, davon lässt sich ein Teilzeitire nicht abschrecken. Im Hostel angekommen haben wir auch gleich unsere Rucksäcke deponiert und sind zu einer ersten Tour aufgebrochen, die uns zum House of Parliaments, Westminster Abbey (sehr beeindruckend!) und diversen Cafés führen sollte.
Dann gings mit der Tube ab zur Oxford Street, wo wir erstmal von der unglaublichen Masse an unglaublich hektischen Menschen und der unglaublichen Menge an Weihnachtsbeleuchtung erschlagen wurden. Nach einem kurzen Abstecher zu Selfridges, einem riesigen Luxuskaufhaus (Platinhandy für 16.000 Pfund irgendwer?), ging es weiter zum Picadilly Circus, dem Alptraum jeden Epilelptikers. Wahnsinn, so viele Lichter...
Weiter gings am nächsten Tag mit einem Spaziergang im Trockenen an der Themse entlang. Vorbei an Westminster Palace, dem MI6-Gebäude (aus den James Bond Filmen bekannt^^) ging es dann Richtung Tower Bridge. Kurz nach dem Palace of Westminster allerdings fanden wir einen deutschen Christkindlmarkt. Im Kölner Stil. "German Food", "German dies" und German das", und dann: ein Kölsch-Stand. Und ich habe das erste Kölsch meines Lebens getrunken. In London. Schande über mich! Aber es war gar nicht mal SO schlecht, besser, als das englische Gebräu wars allemal^^
Nach der "Stärkung" gings weiter, nicht ohne am Stadtratsgebäude noch ein Touriphoto zu machen:
Dann ging es in der frühen Dämmerung noch weiter durch London, wo ich meine Nachtphotographiekünste ausprobieren konnte...
Mittwoch, 10. Dezember 2008
Überraschung...
Erinnert sich noch wer an die versprochenen neuen Fenster? Wer sich jetzt denkt, hm, vermutlich wirds wohl doch nichts, der liegt ganz richtig. Zumindest wirds nicht so schnell was. Vermessen wurden sie schon, die Fenster. Aber ausgewechselt werden sie jetzt am 19. Januar. Und das hat zur Folge, dass mein Zimmer erst am 21. Januar oder so gestrichen wird. Zumindest ist es so geplant. "Scheduled", wie der Ire es nennt, was allerdings professioneller klingt, als es wirklich ist.
Überrascht das Ganze jemanden? Mich nicht, ich hab eh gesagt, dass ich erst glaube, dass wir neue Fenster bekommen, wenn sie endgültig drin sind.
Naja, das heißt also, dass ich noch über einen Monat in einem zugigen Zimmer mit einer Wandfarbe, die mir so gar nicht gefällt, wohnen darf, und dass ich das Zimmer nicht mal komplett so einrichten kann, wie ich es meinen Besuchern gerne präsentieren würde. Wunderbar, ganz wunderbar.
Aber hey, ich hab nicht viel anderes erwartet... Manchmal vermisse ich die deutschen Tugenden "Pünktlichkeit" und "Verlässlichkeit" doch irgendwie. Wir regen uns ja schon auf, wenn der Handwerker fünf Stunden zu spät kommt, hier wartet man mitunter ein halbes Jahr...
Soviel zur Fensterfront. Sonst läuft aber alles wunderbar, kleinere persönliche Probleme wurden höchst erfolgreich aus dem Weg geschafft (*zwinker*) und wir haben in der WG jetzt sogar einen Drucker und einen neuen DVD-Player, nach dem der alte nur noch schwarz-weiß zeigen wollte, und sich nicht zu was Anderem überreden ließ.
Grüße aus dem frostigen Galway!
Phil
Freitag, 28. November 2008
Business as usual...
Ich hab mich jetzt im Fitnessstudio angemeldet, wenn ich schon so viel Freizeit habe, kann ich ja auch was für die Gesundheit uns das Ego machen, also geh ich jetzt 2-3 mal die Woche trainieren. Ist zumindest geplant, mal schauen, was meine Motivation nach ner Weile dazu sagt.
In der Arbeit läuft alles seinen Gang, die Stimmung wird zwar grad etwas angespannter, aus diversen Gründen, aber generell ist alles okay. Business as usual eben ;)
Im Haus haben wir ja wie bereits erwähnt zwei neue Volunteers, Elise und Judith. Die beiden haben sich hier sehr gut integriert, und besonders Elise haben wir alle sehr lieb gewonnen. Jeder sollte eine etwas pummelige, herzensgute, rauchende und extrem Akzent-habende Französin im Haus haben^^
Ach, fast hätte ich es vergessen: wir bekommen neue Fenster im Haus. Und das in den nächsten 1 1/2 Wochen. Danach wird mein Zimmer gestrichen, ich kann endgültig einziehen, und alles ist toll. Vorerst, das Leck in der Decke wird nämlich aus Geldmangel vorerst nicht komplett repariert^^ Aber okay, immerhin neue Fenster...
Das Wetter wird immer winterlicher: Regen, Schneeregen, Wind. Die Stadtverwaltung lässt überall Weihnachtsdeko aufhängen, was bei dem Wetter einfach nicht richtig wirkt. Irgendwie bin ich da zu sehr geprägt, aber weihnachtliche Stimmung sieht einfach anders aus^^ Aber okay, kann die Stadt ja nichts dafür, dass sie auf der grünen Insel liegt. Ich werd mich einfach damit abfinden, und freue mich jetzt schon auf den Advent in München nächstes Jahr...
Ansonsten zähle ich die Tage. 15 Tage bis zu meinem Kurztrip nach London. 25 Tage bis meine meine Eltern mich hier besuchen. 29 Tage bis meine Anne mich hier besucht.
Und so, wie ich die Tage zähle, geht auch langsam das Jahr zu Ende. Erstaunlich, wie die Zeit vergeht, oder? Ich bin jetzt schon über 3 1/2 Monate hier...
So far, so good!
Euer Phil
Freitag, 21. November 2008
Hunger, Pt. 2
Es empfiehlt sich, auch mal die Kommentare durch zu lesen (einfach auf das Video klicken, dann kommt ihr auf die originale Seite bei youtube). Dann bekommt man einen Eindruck, wie geladen die Stimmung heute noch ist. Von "Maggie Thatcher: 10 - IRA: 0" bis hin zu Statements, dass in jedem Krieg Zivilisten sterben (als Rechtfertigung für die Auswüchse des Terrors in Nordirland), siehe Irak und Afghanistan, aber zum Glück dort auch Briten sterben, findet man alles... Peace Process, anyone?
Wie einer meiner Residents sagte: der Friedensprozess kann nicht kaschieren, dass die alten Probleme und Ideologien immer noch da sind...
Sonntag, 16. November 2008
Hunger
Handlung:
Nordirland, 1981, 10 IRA-Aktivisten treten im Hochsicherheitsgefängnis Maze in den Hungerstreik, um ihren Status als politische Gefangene wieder zu erlangen, der ihnen aberkannt wurde. Nach 4 1/2 Jahren "dreckigen" Protests (Zellenwände mit Exkrementen beschmiert, Urin auf die Gänge entleert, Essensreste in den Zellen verfaulen lassen) und "Blanket Protest" (Verweigerung, Gefängniskliedung zu tragen, nur in Laken gehüllt) beginnt der Hungerstreik als ultimativer Versuch, diese Forderungen durchzusetzen. Anführer des Protests, und Hauptcharakter des Films: Bobby Sands, gestorben nach 66 Tagen ohne Essen und damit das erste Opfer des Streiks.
Um es vorweg zu nehmen: der Film hat eine Goldene Kamera bei den Filmfestspielen in Cannes gewonnen, und das zu Recht! Hauptthema des Films sind nicht die politischen Ziele der IRA, obwohl sie natürlich den Rahmen bilden. Thema des Films ist der unglaubliche Wille eines Mannes, für seine Ideale den langsamsten Tod zu sterben, den man sich vorstellen kann: verhungern, und das freiwillig. Wie kann ein Mann so überzeugt sein, dass er diese Tortur auf sich nimmt, wie geht er durch dieses selbstgewählte Martyrium, was geschieht mit ihm.
Und in der Darstellung ist der Film nicht zimperlich. Das ganze Szenario ist unglaublich intensiv geschildert, und besteht aus mehreren Handlungssträngen. Da ist zum Beispiel der Gefängniswärter, der jeden Morgen unter sein Auto schaut, um Autobomben zu entgehen, und seine Frau, die erleichtert aufatmet, wenn das Auto nicht explodiert. Dieser Wärter, so denkt man, ist ein ganz normaler Polizist, der nur seinen Job macht. Aber im Gefängnis prügelt er auf die Inhaftierten ein und behandelt sie wie Dreck.
Da ist ein junger Polizist, der nicht mit ansehen kann, wie seine Kollegen nackte und wehrlose Häftlinge bei einer Körperuntersuchung verprügeln und schwer misshandeln.
Ein junger IRA-Aktivist, der die ganze Brutalität des Gefängnisses erlebt und zu Bobby Sands, einer Art Legende im Knast, aufblickt.
Da sind Bobby Sands' Eltern, die sich zwar immense Sorgen um ihren Sohn machen, aber merken, wie überzeugt er ist, und daraus ihre Kraft ziehen.
Das ist der erste Teil des Films, diese Hölle auf Erden im Gefängnis. Dann kommt das Herzstück des Films, ein gut 20 Minuten langer Dialog zwischen Bobby Sands, der mittlerweile den Hungerstreik begonnen hat, und einem katholischen Priester. In diesem Dialog, der aus einer ungeschnittenen Szene besteht, legt Sands, gespielt von Michael Fassbender, seine ganze Motivation dar, erzählt von seiner Kindheit, von seinen Erfahrungen im Gefängnis, seinen Überzeugungen. Der Priester versucht, ihn von diesem, wie er es beschreibt, Selbstmord abzubringen, doch Sands ist so überzeugt von seiner Sache, dass er sogar den Vorwurf , sein Leben bedeute ihm nichts, überzeugend abwiegeln kann. Am Ende muss sogar der hochmotivierte Priester einsehen, dass er gegen diese Willenskraft, diese Überzeugung nichts machen kann.
Was folgt ist das Sterben. Fassbender hat während des Films unter medizinischer Betreuung um die 50 Pfund (um die 22 1/2 Kilo) abgenommen, um den Prozess grafisch darzustellen. Man sieht, wie Sands im Krankenhaustrakt liegt, und das ihm gebrachte Essen nicht eines Blickes würdigt. Wie sich die Knochen durch seine pergamentartige Haut bohren. Wie er zu schwach wird, um zu stehen, sich zu bewegen. Wie der Hunger ihn sogar so schwach werden lässt, dass er nicht mehr versteht, was man zu ihm sagt. Eine beeindruckende Szene zeigt den Arzt, der ein Drahtgestell über den abgemagerten Körper legt, da die Stoffdecke dem schwachen Lungenapparat die Luft abdrücken würde. Als Sands dann langsam ins Koma abdriftet, kommen Kindheitserinnerungen zu Tage, man sieht, wie er an einem Fluss entlang rennt. Wie Vögel am Himmel fliegen, in Freiheit. Und dann ist Bobby Sands tot.
Der Film ist nicht nur eindringlich erzählt, intensiv, authentisch, er ist auch ein Kunstwerk in sich. Die Kameraführung fängt die Stimmung des Gefängnisses ein, spiegelt den körperlichen Verfall, die Isolation des Individuums in diesem Gefängnissystem. Dazu die Bildüberlagerungen:
Sands innerster Drang nach Freiheit während er ans Bett gefesselt ist, weil er zu schwach ist, sein staccato-artiges Ringen nach Luft, überlagert von Vögeln in einem dunklen Wald, die aufgescheucht durch ein Geräusch in die Luft steigen, je schneller die Atmenzüge kommen immer mehr Vögel, bis der ganze Schwarm in der Luft ist, und wegfliegt, und in der anderen Szene Bobby Sands sein Leben ausgehaucht hat.
Ich habe die Hungerstreikthematik in meinem Reisebericht über Belfast erwähnt, und wer mich kennt, weiß, wie fasziniert ich von der Thematik bin. Dieser Film hat somit bei mir sowieso einen Bonus. Aber auch wer mit der Hintergrundgeschichte nicht viel anfangen kann, sollte sich diesen Film anschauen. Denn allein die Art und Weise, wie dieser ungeheure Prozess dargestellt wird, ist fantastisch. Dazu die absolut grandiose Vorstellung aller Schauspieler, ganz besonders natürlich von Michael Fassbender, und fertig ist der für mich beste Film des Jahres.
Dienstag, 11. November 2008
Land in Sicht! Naja, so gut wie...
Das heißt also, dass ich die nächsten Wochen mit einem Bett und einem Regal lebe, weil ich ja irgendwann demnächst wieder raus muss lohnt es sich nicht, das Zimmer komplett einzurichten, mit Schrank etc. Aber okay, besser als irgendwo aufm Boden zu schlafen...
Sobalds was neues dazu gibt, meld ich mich natürlich wieder.
Sonst gehts mir wieder besser als gestern, aber das ist auch nicht schwer. Ich fühl mich etwas mehr daheim, mein Heimweh weicht langsam aber sicher wieder der Vorfreude, und die Leute sind wie immer. Auch weiß ich jetzt mehr denn je, dass ich ein paar meiner Mitbewohner als Freunde bezeichnen kann, was durchaus nicht unwichtig ist.
Bloß, dass die Küche immernoch extrem chaotisch ist, hätte sich ändern können. Aber okay, jetzt weiß ich immerhin, dass es nicht an mir liegt^^
Bis die Tage!
Euer Phil
Montag, 10. November 2008
Gemischte Gefühle...
Wie ich ja auch geschrieben habe, bin ich am 31.10. zurück nach Deutschland geflogen, mein erster Urlaub stand an. Also, in der Früh meinen Koffer genommen, die Alkoholbestellung eingepackt und ab zum Busbahnhof. Nach über vier Stunden im Bus kam ich in Dublin am Flughafen an, dank eines Staus hatte ich noch 20 Minuten zum einchecken, also ab dafür. Hat dann auch alles geklappt, und nach knapp 2 1/2 Stunden Flug kam ich dann auch in München an.
Dort wurde ich von meiner Anne abgeholt, was so ziemlich einer der schönsten Momente meines Lebens war. Fast drei Monate haben wir uns nicht gesehen, eine viel zu lange Zeit...
Mit der S-Bahn gings dann zu mir, wo ich dann auch meine Eltern wieder gesehen habe.
Die folgende Woche waren wir viel unterwegs, Anne und ich, wir waren in Nürnberg und im Kino, ich hab mich mit ein paar Kumpels getroffen, wir haben einen Shishaabend gemacht, waren feiern, und wir haben mit ein paar von ihren Freunden Sushi gemacht, worin ich mittlerweile ja Übung hab^^
Naja, und dann kam natürlich der Moment, den ich in Gedanken ganz verdrängt hatte: die Rückreise. Nach einem leicht bedrückten Sonntag ging es am Abend wieder zum Flughafen. Jetzt, wo ich wieder da war, und gesehen habe, dass alles so ist, wie früher, und gemerkt habe, wie wichtig familiärer Rückhalt ist, was für tolle Freunde ich habe, und dass ich die beste Freundin der Welt habe, fiel mir der Abschied dreimal so schwer, wie beim ersten Mal...
Nach einer Nacht in Dublin gings dann zurück nach Galway, und jetzt kommt der abgehobene Teil.
Um das zu verstehen, muss ich kurz ausholen. Während ich weg war, ist ja Hannah Heim geflogen. Abgesprochen war, dass ich ihr Zimmer bekomme, und dass es erst gestrichen wird. Gut, kein Problem, ich dachte also, dass ich zurück komme, erstmal in mein altes Zimmer gehe, und dann umziehe.
Nun hat das Büro zwei neue Volunteers an Bord geholt, obwohl wir zur Zeit genug Leute haben. Die wohnten bisher in einem B&B, weil im Haus kein Platz war. Noch in Deutschland erreichte mich eine Mail von Manuel, in der es hieß, dass das Zimmer am Samstag gestrichen wird, damit am Montag die neuen Mädels einziehen können, weil ja dann ein Doppelzimmer (mein altes Zimmer) frei wird. Also wollten Arlei und Manuel mein altes Zimmer nehmen, das etwas größer ist, als ihr altes, die Mädels sollten dieses Zimmer bekommen, und mein Zeug wird in das frisch gestrichen Einzelzimmer unten gebracht.
Klingt ja ganz gut, und natürlich hats nicht geklappt.
Das Zimmer unten hat seit Ewigkeiten, wirklich Ewigkeiten ein Leck in der Decke, durch das es immer tropft wenn es regnet.
Am Sonntag, gegen die Abmachung, kam dann also der Maler, sieht die Decke, meint "Das muss erst gerichtet werden" und geht wieder. Am Montag kommen die neuen Mädels, ziehen in das alte Zimmer von Manuel und Arlei, die hauen ihr Zeug natürlich in mein altes Zimmer, ich komm Heim und hab erstmal kein Zimmer und kein Bett, weil "mein" Zimmer ja komplett ausgeräumt ist, für den Maler. Wunderbar, da macht heimkommen Spaß...
Irgendjemand im Büro hats also ordentlich versaut, aber niemand hielt es für nötig, mir wenigstens ne SMS zu schicken. Ich darf jetzt in Klaus' Zimmer aufm Boden auf einer Matratze schlafen, und ihm hat auch niemand Bescheid gesagt, er war ein paar Tage beim Wandern, kam heut Abend Heim und hat erfahren, dass er sein Zimmer auf unbestimmte Zeit mit mir teilen darf.
Ich fühl mich gerade nicht daheim. Beim besten Willen nicht. Ich soll der Freiwilligenkoordinatorin und den anderen im Büro vertrauen, sie sagen die ganze Zeit, dass wir uns im Haus zu hause fühlen sollen, und dann so ein Beispiel von Unzuverlässigkeit. Ich frage mich, ob das auch irisch ist. Ich weiß es nicht, und wenn es so ist, dann hoffe ich mal, dass ich mir diesen Habitus nicht angewöhne.
Ich war so sauer, dass sogar mit dem Gedanken gespielt habe, einfach nach Deutschland zurück zu fliegen, und die ganze Sache hier abzubrechen. Jetzt bin ich natürlich wieder soweit, dass das Schwachsinn wäre, weil ich mir nie verzeihen könnte, nicht mit so einer Kleinigkeit zurecht zu kommen, aber trotzdem ist die Situation alles andere als angenehm, und ich bin immernoch geladen.
Da kommt man nach einer der schönsten Wochen seines Lebens zurück zu einem Ort, den man mittlerweile als eine Art temporäres Zu hause betrachtet, was einem schon schwer fällt, wenn man merkt, wie sehr man die Heimat vermisst, und vor allem die Liebe und Geborgenheit seiner Freundin, und dann wird man mit einer Situation konfrontiert, die einem dieses leichte Gefühl von "Daheim" gründlich vermiest... Naja, beschwert hab ich mich im Büro, und jetzt muss ich mit der Situation leben. Wenn das ganze zu lange dauert, verlang ich ein B&B. Und sonst gewöhn ich mich einfach wieder an die Arbeit, und zähl die Tage bis meine Anne mich hier besucht...
So far, so good.
Euer Phil
Sonntag, 26. Oktober 2008
Olé, olé, oh mein Gott...
Nunja, wir haben uns darauf eingestellt, dass das Spiel nicht sehr gut wird.
Aber dass es SO schlecht wird, hatten wir dann doch nicht erwartet. Derry hat 1-0 gewonnen, aber eigentlich hätten beide Mannschaften verlieren sollen. Kein gscheider Spielaufbau, Pässe jenseits von Gut und Böse, Raumaufteilung und "Taktik" waren nicht vorhanden, genauso wenig wie Ballkontrolle. Das Spielfeld war aus irgendeinem Grund kleiner, als normal, aber trotzdem gabs so gut wie kein Kurzpassspiel. Wenn ein Spieler den Ball bekommen hat, hat er verzweifelt versucht ihn zu kontrollieren, nur um ihn dann irgendwie nach vorne zu dreschen. Jedes Bezirksligaspiel in Deutschland ist auf einem höheren Niveau, und da gibts wenigstens noch ne anständige Prügelei dazu, um die Stimmung zu lockern... Selbst spannend wars nicht, es gab ungefähr drei Torchancen, die aber alle sowas von miserabel vergeben wurden, dass es uns am Ende egal war, wer gewinnt, hauptsache es gibt keine Verlängerung^^
Naja, trotzdem wars ganz lustig, das ganze Spiel über gelästert über das Niveau, danach noch ein Pint getrunken und total durchgefroren nachhause vor den Fernseher, fünf Folgen Simpsons am Stück anschauen...
Freitag, 24. Oktober 2008
Beobachtung #7
Die Freundlichkeit der Iren. Tja, das Klischee ist bekannt. Kaum kommt man als Fremder in ein Pub voll mit Einheimischen, bekommt man ein Pint ausgegeben. Man steht an der Straße und hält den Daumen hoch, und sofort wird man mitgenommen. Jeder Ire will einen sofort kennen lernen, wenn man ihn nur nach dem Weg fragt. Und so weiter.
Klingt alles gut, und dank Heinrich Böll glauben das auch geschätzte 90% der deutschen Bevölkerung. Die Realität sieht dann aber ein wenig anders aus.
Erstes Beispiel: Das Pint im Pub.
Ja, es kommt durchaus vor, dass man einen ausgegeben bekommt. Allerdings wird dann auch erwartet, dass man der Person im Gegenzug auch einen ausgibt. Aber so wirklich häufig kommt das nicht vor. Sicher, es hängt stark von den Personen ab, die im Pub sind, aber das Klischee bewahrheitet sich hier nicht vollständig. Aber wenn man erstmal so jemanden gefunden hat, dann hat man nen guten Abend. Die Leute geben dann auch viel, aber sie verlangen auch was zurück, sei es ein Pint, oder einfach nur eine gute Geschichte.
Im Gespräch mit Iren hab ich auch rausgefunden, dass diese Haltung sehr stark abgenommen hat. Man findet sie eher in kleinere Städten und Dörfern, und da hauptsächlich in kleinere Pubs abseits der Touristenströme. Und auch eher außerhalb der Touristensaison.
Aber immerhin, es gibt sie noch, die Freundlichkeit und Herzlichkeit im Pub.
Zweites Beispiel: Trampen.
Tja, was soll ich sagen. Ein mal haben wir es probiert. Und es hat sage und schreibe eine dreiviertel Stunde gedauert, bis uns jemand mitgenommen hat. Die anderen haben entweder den Kopf geschüttelt, signalisiert, dass ihr Auto voll ist, oder, wie in den meisten Fällen, sie haben uns nicht mal angeschaut.
Als uns dann allerdings ein freundlicher Mann mitgenommen hat, hat er uns gleich vor dem Pub, zu dem wir wollten abgesetzt, obwohl es nicht auf seiner Route lag. Als er gehört hat, dass wir den Bus nehmen wollten, hat er uns "ermahnt", im Pub auf die Zeit zu schauen, damit wir nicht den letzten Bus verpassen, und dass wir uns dort nach der Abfahrtszeit erkundigen sollten, weil er sie leider nicht weiß. Er hat sich irre dafür interessiert, woher wir kommen und was wir machen und so weiter. Richtig klischeehaft irisch einfach. Aber halt auch nur einer aus geschätzten 100...
Laut einem meiner Residents war das vor 10-20 Jahren noch komplett anders, damals konnte man innerhalb von 5 Stunden von Galway nach Dublin trampen, verglichen mit 3-4 Stunden im Bus.
Drittes Beispiel: Leute kennen lernen.
Man kann sehr sehr leicht im Pub ins Gespräch kommen. Man kann den ganzen Abend über Politik, Religion, Gesellschaft etc. reden. Aber Freunde findet man in Irland so nicht, nur Bekanntschaften. Ob man sich wieder sieht? Vielleicht am nächsten Abend, aber auch nur im Pub. Man kann in Pubs eigentlich mit jedem ins Gespräch kommen, aber mehr auch nicht.
Wenn man Leute wieder trifft, außerhalb, dann sinds meistens andere Ausländer.
Als Beispiel: die meisten Bekannten, die wir im Haus haben, sind Spanier, Tschechen, Amerikaner etc., nur Tony, der Freund des Hauses ist Vollblutire.
Viertes Beispiel: Die Begrüßungsfloskeln.
Kommt man neu auf die Insel, denkt man sich schnell: "Hey sind die freundlich, sogar die Verkäuferin im Supermarkt fragt mich, wie es mir geht". Und das tun sie, in der Tat. Alle, Verkäufer, Busfahrer, Putzkräfte. Alle sagen sie "How are you?", "How's it going?", "How's things?", "How's life?" und so weiter. Die Sache ist nur: die Verkäufer, Bisfahrer und Putzkräfte interessiert das einen Scheißdreck. Für die ist das nur eine Floskel, wie "Hallo". Selbst unter Freunden antwortet man auch so eine "Frage" maximal mit "Not too bad", oder "I'm fine, how are you?", ohne dass man was anderes als "Not too bad myself" erwartet.
Das ist einfach ein Begrüßungsritual, aber es zeigt, wie oberflächlich die berühmte irische Freundlichkeit mittlerweile ist...
Wenn ich neue Beispiele hab, dann gibts eine Ergänzung zu dem Beitrag.
By the way, in einer Woche bin ich ein paar Tage zurück in Deutschland, also falls ihr die Woche da seid, dann gebt mir Bescheid, und ich sag euch, wanns bei mir einen gemütlichen Shishaabend gibt. Klingt das nicht famos?
Grüße aus dem grade sonnigen Galway!
Euer Phil
Mittwoch, 15. Oktober 2008
Beobachtung #6
Achtung, diese Beobachtung enthält "strong language" und ist deswegen für kleine Kinder nicht geeignet!
Iren fluchen viel und gerne. Und zwar quer durch alle Schichten. Gewisse Staffmember in allen Projekten sind für ihren exzessiven Gebrauch des Wortes "fuck" bekannt ('Get xyz to the fucking phone, for fucks sake!'), andere für "bloody" ('It's bloody early to be on the way to bloody Dublin!').
Residents werfen nur so mit shit, fuck, bloody irgendwas, bollocks, freckin' irgendwas, for fucks sake, bloody hell, fucking christ, fucking shit (ausgesprochen wie focking sheit), crap, jaysus, jaysus fucking christ, fucking irgendwas usw. um sich.
Und das erfinde ich jetzt nicht nur, um toll zu wirken (das hab ich ja nicht nötig, chrm chrm). Als ich gerade meinen zweiten Arbeitstag beendet hatte, zurück im Volunteers House war, und ein Team Leader aus nem anderen Projekt uns beim Abtransport der alten Küche geholfen hat, fragte er mich nur "Where you're working?" - "Dyke Road" - "So basically you're fucked" - "..."
Ich finds super, ich fühl mich da richtig wohl, auch wenn ich mich noch ab und an zurück halte, gute Manieren und so. Aber so langsam aber sicher fallen die Blockaden, also freut euch auf meine Ausdrucksweise, wenn ich wieder zurück bin!
Um es mit einem Satz zu sagen, den ich auf dem Training in Dublin aufgeschnappt habe: "After this year you will have learned much and your English will be fucked up."
Freitag, 10. Oktober 2008
Regen...
Auch wirds immer kälter, der Wind immer schneidender und das Klima generell immer feuchter.
Aber okay, was erwartet man in Irland sonst^^
Achja, eine Sache noch: meine Wände im Zimmer sind noch sehr leer, also wenn ihr mir Fotos etc. schicken wollt: nur zu ;) Nicht, dass ich am Ende noch vergesse, wie ihr alle ausseht...
So far, so good!
Euer Phil
Montag, 6. Oktober 2008
Yeha!
Und er war richtig gut. Nicht wirklich originell, aber gut gespielt und konsequent inszeniert.
Wer Western mag, sollte schauen, ob er sich den Film nicht mal anschaut, wenn er in Deutschland mal läuft...
Freitag, 3. Oktober 2008
Belfast! Teil 3
Das war grob gesagt die Tour, viele Details hab ich raus gelassen, es wäre zu viel für hier.
Aber es ist bedrückend, denn die Stimmung ist immer noch erdrückend. Im Zentrum ist alles ruhig, quasi eine neutrale Zone. Aber kaum geht man zwei Minuten aus dem Zentrum raus, sieht man so was:
Oder so was:
Und dann sieht man wieder Mauern, und Tore. Diese Tore werden jeden Abend geschlossen, und am Wochenende auch, um Konflikte zu verhindern. Und manche Tore kann die Polizei auf Knopfdruck von ihrer Zentrale aus schließen, natürlich ist auch alles Kameraüberwacht.
Auf die Frage, ob diese Mauern noch nötig seien, meinte Norman nur, mit einem Kopfnicken: „Oh yes, and I won’t live to see them coming down. And neither will my children.“
Der Friedensprozess und der Waffenstillstand haben wohl schon einiges gebracht, aber diese Wunden heilen nicht so schnell. Im Prinzip leben hier zwei verfeindete Gesellschaften nebeneinander, und wirklich jeder Einwohner Belfasts hat Verwandte und Freunde in diesem Konflikt verloren, oder hat irgendwie einen Bezug dazu. Auf die vorsichtige Frage, ob es überhaupt möglich war, neutral zu bleiben, kam ein lapidares „I suppose some people must have…“
Ich habe nie einen Hehl aus meiner Sympathie für die republikanische Bewegung gemacht, und das hat sich auch nicht geändert. Auf dem Bild von der Bombay Street sieht man ein Bild eines 15-jährigen Jungens. Er wurde mit 15 erschossen, weil er der IRA beigetreten ist. Er ist ihr beigetreten, weil er es nicht mehr mit ansehen konnte, wie Protestanten ungestraft die Häuser der Katholiken nieder brannten und Leute ermordeten.
Doch diese Sympathie hat nun auch neue, noch engere Grenzen gefunden. Für die Gräueltaten der Provisional IRA (größte IRA-Gruppierung), und insbesondere ihrer Splittergruppen, gibt es keine Entschuldigung.
Bleibt nur die Sympathie für den Grund, warum sie gekämpft haben: Katholiken wurden in Nordirland bis weit in die 80er Jahre als Bürger zweiter Klasse behandelt, sie hatten weniger Rechte, wurden auf Grund ihrer Geburt zu Außenseitern, hatten keinen Anspruch auf bessere Wohnverhältnisse…
Ich wünschte, ich könnte jetzt noch schreiben, dass Belfast immerhin eine schöne Stadt ist, doch das wäre gelogen. Nach Neapel ist Belfast die hässlichste Stadt, die ich je gesehen habe. Es gibt ein paar Lichtblicke, aber der Rest… Naja, seht selbst:
Das wars dann auch schon zu meinem Trip nach Belfast. Ich hoffe, es war informativ und nicht zu langweilig. Aber sollte es euch jemals dort hin verschlagen: macht eine Black Taxi Tour, es lohnt sich. Auch wenn der Belfast Akzent hart zu verstehen ist. Sehr hart.
Die Stadt selber ist wie gesagt nicht schön, aber interessant. Und abschreckend. Mein Fahrer meinte auch, dass es Gegenden gibt, in die ich besser nicht alleine gehen sollte, weil dort Gangs und Überreste der Terrorgruppierungen ihr Unwesen treiben, organisierte Kriminalität und alles.
Achja, sorry für die gemischte Formatierung, aber irgendwie mag blogspot es nicht, wenn man einen Text aus Word rüberkopiert, und mir wars grad zu blöd, das alles abzutippen...
Grüße aus Galway,
euer Phil
Belfast! Teil 2
Die Tour ging weiter, und wenig später standen wir vor der sog. Peace Wall. Das ist eine von 40 verschiedenen Mauern, die protestantische und katholische Viertel trennen, um den Frieden zu erhalten. Die Peace Wall selber wurde an der Stelle gebaut, um das katholische Viertel vor den Protestanten zu schützen, die das Viertel immer wieder überfallen haben und die Häuser der Katholiken niedergebrannt haben. Die Polizei konnte oder wollte das nicht verhindern (die Royal Ulster Constabulary bestand nur aus Protestanten, noch dazu vielen Armeereservisten), weshalb die IRA in dem Gebiet sehr starken Zulauf hatte, da sie den Schutz des Gebietes zu einem ihrer Ziele gemacht hatte. Dazu später noch mehr…
Hier ein Bild von der protestantischen Seite:
Und hier die katholische Seite, mit Gedenkstätte für alle von der Polizei und von Protestanten getöteten Zivilisten und IRA Volunteers des Viertels (und das sind nicht alle Namen, es gibt noch zwei weitere Tafeln...), und einem Bild, wie die Straße vor dem Bau der Peace Wall aussah:
Weiter ging es mit der Tour, zum Hauptquartier vom Sínn Feín, der republikanischen Partei Nordirlands, mit einem Mural des wohl bekanntesten IRA Volunteers überhaupt: Bobby Sands:
Zur Erklärung: Bobby Sandy war einer von zehn IRA-Häftlingen in Internierungshaft, die einen Hungerstreik durchführten (es waren natürlich noch einige Volunteers mehr in Haft). Ziel des Streiks war die Durchsetzung von fünf Forderungen, unter anderem die Wiederanerkennung ihres Status als politische Gefangene, das Recht keine Gefängniskleidung tragen zu müssen, etc.
Als die britische Regierung unter Margaret Thatcher nicht nachgab, starben die zehn nach über 60 Tagen ohne Essen. Danach wurden die meisten Forderungen erfüllt, aber die Straßen Belfasts explodierten unter einer Welle von Wut und Trauer auf der katholischen Seite. Bobby Sands Beerdigung war mit über 100.000 Besuchern die bis heute größte Trauerfeiern Nordirlands.
Belfast! Teil 1
Heute wird’s mal ein etwas längerer Text, denn ich habe meine erste inner-irische Reise hinter mir.
Los ging es am Mittwoch, nach der Arbeit. Kurz zuhause vorbei geschaut, mein Zeug in den Rucksack geworfen und ab zur Busstation. Nach knapp fünf Stunden war ich dann in Dundalk, einem kleinen Nest kurz vor der nordirischen Grenze. Vielleicht ists dem einem oder anderen schon aufgefallen, dass in den Kommentaren öfters mal ein Basti rumhüpft. Dieser ist nämlich bei der Dundalk Simon Community, und deshalb konnte ich im dortigen Volunteer’s Haus kostenlos bleiben.
Zu Dundalk selber gibt’s nicht viel zu sagen. Kleine Stadt, nicht unbedingt schön, wenig los, das Pint 20 Cent teurer als bei uns in Galway… Dafür sind die Volunteers dort wunderbar verrückt. Also so richtig^^ Trotzdem gefällt mir Galway besser, und unser Haus hat mehr Charakter. Sorry, Basti ;)
Nunja, in Dundalk hab ich dann gleich mal meine Einradkünste herausgefordert. Und festgestellt, dass ich selbige nicht besitze. Aber trotzdem kann man sich seine Würde bewahren:
Und im Kino waren wir auch. „Death Race“ hieß das Teil, lässt sich wie folgt zusammenfassen: Autos mit Waffen dran und keine Story. Aber hey: Autos mit Waffen dran! Also Hirn aus und gut ist…^^
Am Donnerstag in der Früh stand ich dann wieder am Busbahnhof, dieses Mal allerdings nach Belfast, der Hauptstadt Nordirlands, und dem Zentrum des Nordirlandkonflikts. Ich hatte bereits im Voraus eine Black Taxi Tour gebucht. Man sagt dem Taxifahrer, was man sehen will, und er fährt einen durch die Stadt und erzählt und erklärt. Die Taxifahrer sind alle richtige Einheimische, haben den ganzen Konflikt selber erlebt, daher ist das ganz sehr anschaulich.
Wir fuhren im Stadtzentrum los, und keine fünf Minuten später hielt mein Fahrer, er hieß übrigens Norman, an, und erklärt mir, dass wir nun in einem 100% UFF-loyalen Viertel sind.
Erklärung: U.F.F. steht für Ulster Freedom Fighters, einer unionistischen (also protestantisch-königstreuen) Terrorgruppe, die allerdings selber nur ein Deckname für die lange Zeit legale UDA (Ulster Defence Association) war, damit diese ihre Mordaktionen gegen unbeteiligte Katholiken ausführen konnte, ohne selber verfolgt zu werden. Daneben gab es noch die UVF (Ulster Volunteer Force) und die LVF (Loyalist Volunteer Force) auf der unionistischen Seite. Bzw. es gibt sie noch, nur dass sie heute, wie die kleinen IRA-Splittergruppen nur noch auf Geld und Macht aus sind, und ihr „Geschäft“ auf illegales Glücksspiel, Schutzgelderpressung, Drogenhandel etc. verlegt haben, und sich die meiste Zeit gegenseitig bekriegen.
In diesem Viertel, sogar an dem Platz, an dem wir standen, hatte die UFF/UDA das Sagen, bekämpfte Polizei und Armee, die sich in das Viertel wagten, ermordete und folterte Katholiken und floh nach Mordaktionen in katholischen Vierteln. Auch war sie das Gebiet der „Shankill Butchers“, einer Gang aus UFF/UDA-Mitgliedern, die 19 Katholiken zu Tode folterte.
Am Eingang zum Viertel und im Viertel selber finden sich viele Murals. Murals sind Wandgemälde, die zu Propagandazwecken überall sind, sowohl in katholischen als auch in protestantischen Vierteln. Hier ein paar unionistische (protestantische):
