Das war grob gesagt die Tour, viele Details hab ich raus gelassen, es wäre zu viel für hier.
Aber es ist bedrückend, denn die Stimmung ist immer noch erdrückend. Im Zentrum ist alles ruhig, quasi eine neutrale Zone. Aber kaum geht man zwei Minuten aus dem Zentrum raus, sieht man so was:
Oder so was:
Und dann sieht man wieder Mauern, und Tore. Diese Tore werden jeden Abend geschlossen, und am Wochenende auch, um Konflikte zu verhindern. Und manche Tore kann die Polizei auf Knopfdruck von ihrer Zentrale aus schließen, natürlich ist auch alles Kameraüberwacht.
Auf die Frage, ob diese Mauern noch nötig seien, meinte Norman nur, mit einem Kopfnicken: „Oh yes, and I won’t live to see them coming down. And neither will my children.“
Der Friedensprozess und der Waffenstillstand haben wohl schon einiges gebracht, aber diese Wunden heilen nicht so schnell. Im Prinzip leben hier zwei verfeindete Gesellschaften nebeneinander, und wirklich jeder Einwohner Belfasts hat Verwandte und Freunde in diesem Konflikt verloren, oder hat irgendwie einen Bezug dazu. Auf die vorsichtige Frage, ob es überhaupt möglich war, neutral zu bleiben, kam ein lapidares „I suppose some people must have…“
Ich habe nie einen Hehl aus meiner Sympathie für die republikanische Bewegung gemacht, und das hat sich auch nicht geändert. Auf dem Bild von der Bombay Street sieht man ein Bild eines 15-jährigen Jungens. Er wurde mit 15 erschossen, weil er der IRA beigetreten ist. Er ist ihr beigetreten, weil er es nicht mehr mit ansehen konnte, wie Protestanten ungestraft die Häuser der Katholiken nieder brannten und Leute ermordeten.
Doch diese Sympathie hat nun auch neue, noch engere Grenzen gefunden. Für die Gräueltaten der Provisional IRA (größte IRA-Gruppierung), und insbesondere ihrer Splittergruppen, gibt es keine Entschuldigung.
Bleibt nur die Sympathie für den Grund, warum sie gekämpft haben: Katholiken wurden in Nordirland bis weit in die 80er Jahre als Bürger zweiter Klasse behandelt, sie hatten weniger Rechte, wurden auf Grund ihrer Geburt zu Außenseitern, hatten keinen Anspruch auf bessere Wohnverhältnisse…
Ich wünschte, ich könnte jetzt noch schreiben, dass Belfast immerhin eine schöne Stadt ist, doch das wäre gelogen. Nach Neapel ist Belfast die hässlichste Stadt, die ich je gesehen habe. Es gibt ein paar Lichtblicke, aber der Rest… Naja, seht selbst:
Das wars dann auch schon zu meinem Trip nach Belfast. Ich hoffe, es war informativ und nicht zu langweilig. Aber sollte es euch jemals dort hin verschlagen: macht eine Black Taxi Tour, es lohnt sich. Auch wenn der Belfast Akzent hart zu verstehen ist. Sehr hart.
Die Stadt selber ist wie gesagt nicht schön, aber interessant. Und abschreckend. Mein Fahrer meinte auch, dass es Gegenden gibt, in die ich besser nicht alleine gehen sollte, weil dort Gangs und Überreste der Terrorgruppierungen ihr Unwesen treiben, organisierte Kriminalität und alles.
Achja, sorry für die gemischte Formatierung, aber irgendwie mag blogspot es nicht, wenn man einen Text aus Word rüberkopiert, und mir wars grad zu blöd, das alles abzutippen...
Grüße aus Galway,
euer Phil

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