Die Tour ging weiter, und wenig später standen wir vor der sog. Peace Wall. Das ist eine von 40 verschiedenen Mauern, die protestantische und katholische Viertel trennen, um den Frieden zu erhalten. Die Peace Wall selber wurde an der Stelle gebaut, um das katholische Viertel vor den Protestanten zu schützen, die das Viertel immer wieder überfallen haben und die Häuser der Katholiken niedergebrannt haben. Die Polizei konnte oder wollte das nicht verhindern (die Royal Ulster Constabulary bestand nur aus Protestanten, noch dazu vielen Armeereservisten), weshalb die IRA in dem Gebiet sehr starken Zulauf hatte, da sie den Schutz des Gebietes zu einem ihrer Ziele gemacht hatte. Dazu später noch mehr…
Hier ein Bild von der protestantischen Seite:
Und hier die katholische Seite, mit Gedenkstätte für alle von der Polizei und von Protestanten getöteten Zivilisten und IRA Volunteers des Viertels (und das sind nicht alle Namen, es gibt noch zwei weitere Tafeln...), und einem Bild, wie die Straße vor dem Bau der Peace Wall aussah:
Weiter ging es mit der Tour, zum Hauptquartier vom Sínn Feín, der republikanischen Partei Nordirlands, mit einem Mural des wohl bekanntesten IRA Volunteers überhaupt: Bobby Sands:
Zur Erklärung: Bobby Sandy war einer von zehn IRA-Häftlingen in Internierungshaft, die einen Hungerstreik durchführten (es waren natürlich noch einige Volunteers mehr in Haft). Ziel des Streiks war die Durchsetzung von fünf Forderungen, unter anderem die Wiederanerkennung ihres Status als politische Gefangene, das Recht keine Gefängniskleidung tragen zu müssen, etc.
Als die britische Regierung unter Margaret Thatcher nicht nachgab, starben die zehn nach über 60 Tagen ohne Essen. Danach wurden die meisten Forderungen erfüllt, aber die Straßen Belfasts explodierten unter einer Welle von Wut und Trauer auf der katholischen Seite. Bobby Sands Beerdigung war mit über 100.000 Besuchern die bis heute größte Trauerfeiern Nordirlands.
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