Tja, ich hab mir gedacht, ich schreib mal wieder was. Viel zu berichten gibts leider nicht, aber okay.
Ich hab mich jetzt im Fitnessstudio angemeldet, wenn ich schon so viel Freizeit habe, kann ich ja auch was für die Gesundheit uns das Ego machen, also geh ich jetzt 2-3 mal die Woche trainieren. Ist zumindest geplant, mal schauen, was meine Motivation nach ner Weile dazu sagt.
In der Arbeit läuft alles seinen Gang, die Stimmung wird zwar grad etwas angespannter, aus diversen Gründen, aber generell ist alles okay. Business as usual eben ;)
Im Haus haben wir ja wie bereits erwähnt zwei neue Volunteers, Elise und Judith. Die beiden haben sich hier sehr gut integriert, und besonders Elise haben wir alle sehr lieb gewonnen. Jeder sollte eine etwas pummelige, herzensgute, rauchende und extrem Akzent-habende Französin im Haus haben^^
Ach, fast hätte ich es vergessen: wir bekommen neue Fenster im Haus. Und das in den nächsten 1 1/2 Wochen. Danach wird mein Zimmer gestrichen, ich kann endgültig einziehen, und alles ist toll. Vorerst, das Leck in der Decke wird nämlich aus Geldmangel vorerst nicht komplett repariert^^ Aber okay, immerhin neue Fenster...
Das Wetter wird immer winterlicher: Regen, Schneeregen, Wind. Die Stadtverwaltung lässt überall Weihnachtsdeko aufhängen, was bei dem Wetter einfach nicht richtig wirkt. Irgendwie bin ich da zu sehr geprägt, aber weihnachtliche Stimmung sieht einfach anders aus^^ Aber okay, kann die Stadt ja nichts dafür, dass sie auf der grünen Insel liegt. Ich werd mich einfach damit abfinden, und freue mich jetzt schon auf den Advent in München nächstes Jahr...
Ansonsten zähle ich die Tage. 15 Tage bis zu meinem Kurztrip nach London. 25 Tage bis meine meine Eltern mich hier besuchen. 29 Tage bis meine Anne mich hier besucht.
Und so, wie ich die Tage zähle, geht auch langsam das Jahr zu Ende. Erstaunlich, wie die Zeit vergeht, oder? Ich bin jetzt schon über 3 1/2 Monate hier...
So far, so good!
Euer Phil
Freitag, 28. November 2008
Freitag, 21. November 2008
Hunger, Pt. 2
Ich hab auf youtube einen Trailer zum Film gefunden, der zwar wenig über die Handlung aussagt, aber generell das hohe künstlerische Niveau das Films zeigt.
Es empfiehlt sich, auch mal die Kommentare durch zu lesen (einfach auf das Video klicken, dann kommt ihr auf die originale Seite bei youtube). Dann bekommt man einen Eindruck, wie geladen die Stimmung heute noch ist. Von "Maggie Thatcher: 10 - IRA: 0" bis hin zu Statements, dass in jedem Krieg Zivilisten sterben (als Rechtfertigung für die Auswüchse des Terrors in Nordirland), siehe Irak und Afghanistan, aber zum Glück dort auch Briten sterben, findet man alles... Peace Process, anyone?
Wie einer meiner Residents sagte: der Friedensprozess kann nicht kaschieren, dass die alten Probleme und Ideologien immer noch da sind...
Es empfiehlt sich, auch mal die Kommentare durch zu lesen (einfach auf das Video klicken, dann kommt ihr auf die originale Seite bei youtube). Dann bekommt man einen Eindruck, wie geladen die Stimmung heute noch ist. Von "Maggie Thatcher: 10 - IRA: 0" bis hin zu Statements, dass in jedem Krieg Zivilisten sterben (als Rechtfertigung für die Auswüchse des Terrors in Nordirland), siehe Irak und Afghanistan, aber zum Glück dort auch Briten sterben, findet man alles... Peace Process, anyone?
Wie einer meiner Residents sagte: der Friedensprozess kann nicht kaschieren, dass die alten Probleme und Ideologien immer noch da sind...
Sonntag, 16. November 2008
Hunger
Bevor jetzt jemand auf falsche Gedanken kommt: nein, im heutigen Eintrag geht es nicht um das Hungergefühl. Es geht um einen Film, den ich gerade im Kino gesehen habe, und dieser Film heißt "Hunger" und ist von Steve McQueen.
Handlung:
Nordirland, 1981, 10 IRA-Aktivisten treten im Hochsicherheitsgefängnis Maze in den Hungerstreik, um ihren Status als politische Gefangene wieder zu erlangen, der ihnen aberkannt wurde. Nach 4 1/2 Jahren "dreckigen" Protests (Zellenwände mit Exkrementen beschmiert, Urin auf die Gänge entleert, Essensreste in den Zellen verfaulen lassen) und "Blanket Protest" (Verweigerung, Gefängniskliedung zu tragen, nur in Laken gehüllt) beginnt der Hungerstreik als ultimativer Versuch, diese Forderungen durchzusetzen. Anführer des Protests, und Hauptcharakter des Films: Bobby Sands, gestorben nach 66 Tagen ohne Essen und damit das erste Opfer des Streiks.
Um es vorweg zu nehmen: der Film hat eine Goldene Kamera bei den Filmfestspielen in Cannes gewonnen, und das zu Recht! Hauptthema des Films sind nicht die politischen Ziele der IRA, obwohl sie natürlich den Rahmen bilden. Thema des Films ist der unglaubliche Wille eines Mannes, für seine Ideale den langsamsten Tod zu sterben, den man sich vorstellen kann: verhungern, und das freiwillig. Wie kann ein Mann so überzeugt sein, dass er diese Tortur auf sich nimmt, wie geht er durch dieses selbstgewählte Martyrium, was geschieht mit ihm.
Und in der Darstellung ist der Film nicht zimperlich. Das ganze Szenario ist unglaublich intensiv geschildert, und besteht aus mehreren Handlungssträngen. Da ist zum Beispiel der Gefängniswärter, der jeden Morgen unter sein Auto schaut, um Autobomben zu entgehen, und seine Frau, die erleichtert aufatmet, wenn das Auto nicht explodiert. Dieser Wärter, so denkt man, ist ein ganz normaler Polizist, der nur seinen Job macht. Aber im Gefängnis prügelt er auf die Inhaftierten ein und behandelt sie wie Dreck.
Da ist ein junger Polizist, der nicht mit ansehen kann, wie seine Kollegen nackte und wehrlose Häftlinge bei einer Körperuntersuchung verprügeln und schwer misshandeln.
Ein junger IRA-Aktivist, der die ganze Brutalität des Gefängnisses erlebt und zu Bobby Sands, einer Art Legende im Knast, aufblickt.
Da sind Bobby Sands' Eltern, die sich zwar immense Sorgen um ihren Sohn machen, aber merken, wie überzeugt er ist, und daraus ihre Kraft ziehen.
Das ist der erste Teil des Films, diese Hölle auf Erden im Gefängnis. Dann kommt das Herzstück des Films, ein gut 20 Minuten langer Dialog zwischen Bobby Sands, der mittlerweile den Hungerstreik begonnen hat, und einem katholischen Priester. In diesem Dialog, der aus einer ungeschnittenen Szene besteht, legt Sands, gespielt von Michael Fassbender, seine ganze Motivation dar, erzählt von seiner Kindheit, von seinen Erfahrungen im Gefängnis, seinen Überzeugungen. Der Priester versucht, ihn von diesem, wie er es beschreibt, Selbstmord abzubringen, doch Sands ist so überzeugt von seiner Sache, dass er sogar den Vorwurf , sein Leben bedeute ihm nichts, überzeugend abwiegeln kann. Am Ende muss sogar der hochmotivierte Priester einsehen, dass er gegen diese Willenskraft, diese Überzeugung nichts machen kann.
Was folgt ist das Sterben. Fassbender hat während des Films unter medizinischer Betreuung um die 50 Pfund (um die 22 1/2 Kilo) abgenommen, um den Prozess grafisch darzustellen. Man sieht, wie Sands im Krankenhaustrakt liegt, und das ihm gebrachte Essen nicht eines Blickes würdigt. Wie sich die Knochen durch seine pergamentartige Haut bohren. Wie er zu schwach wird, um zu stehen, sich zu bewegen. Wie der Hunger ihn sogar so schwach werden lässt, dass er nicht mehr versteht, was man zu ihm sagt. Eine beeindruckende Szene zeigt den Arzt, der ein Drahtgestell über den abgemagerten Körper legt, da die Stoffdecke dem schwachen Lungenapparat die Luft abdrücken würde. Als Sands dann langsam ins Koma abdriftet, kommen Kindheitserinnerungen zu Tage, man sieht, wie er an einem Fluss entlang rennt. Wie Vögel am Himmel fliegen, in Freiheit. Und dann ist Bobby Sands tot.
Der Film ist nicht nur eindringlich erzählt, intensiv, authentisch, er ist auch ein Kunstwerk in sich. Die Kameraführung fängt die Stimmung des Gefängnisses ein, spiegelt den körperlichen Verfall, die Isolation des Individuums in diesem Gefängnissystem. Dazu die Bildüberlagerungen:
Sands innerster Drang nach Freiheit während er ans Bett gefesselt ist, weil er zu schwach ist, sein staccato-artiges Ringen nach Luft, überlagert von Vögeln in einem dunklen Wald, die aufgescheucht durch ein Geräusch in die Luft steigen, je schneller die Atmenzüge kommen immer mehr Vögel, bis der ganze Schwarm in der Luft ist, und wegfliegt, und in der anderen Szene Bobby Sands sein Leben ausgehaucht hat.
Ich habe die Hungerstreikthematik in meinem Reisebericht über Belfast erwähnt, und wer mich kennt, weiß, wie fasziniert ich von der Thematik bin. Dieser Film hat somit bei mir sowieso einen Bonus. Aber auch wer mit der Hintergrundgeschichte nicht viel anfangen kann, sollte sich diesen Film anschauen. Denn allein die Art und Weise, wie dieser ungeheure Prozess dargestellt wird, ist fantastisch. Dazu die absolut grandiose Vorstellung aller Schauspieler, ganz besonders natürlich von Michael Fassbender, und fertig ist der für mich beste Film des Jahres.
Handlung:
Nordirland, 1981, 10 IRA-Aktivisten treten im Hochsicherheitsgefängnis Maze in den Hungerstreik, um ihren Status als politische Gefangene wieder zu erlangen, der ihnen aberkannt wurde. Nach 4 1/2 Jahren "dreckigen" Protests (Zellenwände mit Exkrementen beschmiert, Urin auf die Gänge entleert, Essensreste in den Zellen verfaulen lassen) und "Blanket Protest" (Verweigerung, Gefängniskliedung zu tragen, nur in Laken gehüllt) beginnt der Hungerstreik als ultimativer Versuch, diese Forderungen durchzusetzen. Anführer des Protests, und Hauptcharakter des Films: Bobby Sands, gestorben nach 66 Tagen ohne Essen und damit das erste Opfer des Streiks.
Um es vorweg zu nehmen: der Film hat eine Goldene Kamera bei den Filmfestspielen in Cannes gewonnen, und das zu Recht! Hauptthema des Films sind nicht die politischen Ziele der IRA, obwohl sie natürlich den Rahmen bilden. Thema des Films ist der unglaubliche Wille eines Mannes, für seine Ideale den langsamsten Tod zu sterben, den man sich vorstellen kann: verhungern, und das freiwillig. Wie kann ein Mann so überzeugt sein, dass er diese Tortur auf sich nimmt, wie geht er durch dieses selbstgewählte Martyrium, was geschieht mit ihm.
Und in der Darstellung ist der Film nicht zimperlich. Das ganze Szenario ist unglaublich intensiv geschildert, und besteht aus mehreren Handlungssträngen. Da ist zum Beispiel der Gefängniswärter, der jeden Morgen unter sein Auto schaut, um Autobomben zu entgehen, und seine Frau, die erleichtert aufatmet, wenn das Auto nicht explodiert. Dieser Wärter, so denkt man, ist ein ganz normaler Polizist, der nur seinen Job macht. Aber im Gefängnis prügelt er auf die Inhaftierten ein und behandelt sie wie Dreck.
Da ist ein junger Polizist, der nicht mit ansehen kann, wie seine Kollegen nackte und wehrlose Häftlinge bei einer Körperuntersuchung verprügeln und schwer misshandeln.
Ein junger IRA-Aktivist, der die ganze Brutalität des Gefängnisses erlebt und zu Bobby Sands, einer Art Legende im Knast, aufblickt.
Da sind Bobby Sands' Eltern, die sich zwar immense Sorgen um ihren Sohn machen, aber merken, wie überzeugt er ist, und daraus ihre Kraft ziehen.
Das ist der erste Teil des Films, diese Hölle auf Erden im Gefängnis. Dann kommt das Herzstück des Films, ein gut 20 Minuten langer Dialog zwischen Bobby Sands, der mittlerweile den Hungerstreik begonnen hat, und einem katholischen Priester. In diesem Dialog, der aus einer ungeschnittenen Szene besteht, legt Sands, gespielt von Michael Fassbender, seine ganze Motivation dar, erzählt von seiner Kindheit, von seinen Erfahrungen im Gefängnis, seinen Überzeugungen. Der Priester versucht, ihn von diesem, wie er es beschreibt, Selbstmord abzubringen, doch Sands ist so überzeugt von seiner Sache, dass er sogar den Vorwurf , sein Leben bedeute ihm nichts, überzeugend abwiegeln kann. Am Ende muss sogar der hochmotivierte Priester einsehen, dass er gegen diese Willenskraft, diese Überzeugung nichts machen kann.
Was folgt ist das Sterben. Fassbender hat während des Films unter medizinischer Betreuung um die 50 Pfund (um die 22 1/2 Kilo) abgenommen, um den Prozess grafisch darzustellen. Man sieht, wie Sands im Krankenhaustrakt liegt, und das ihm gebrachte Essen nicht eines Blickes würdigt. Wie sich die Knochen durch seine pergamentartige Haut bohren. Wie er zu schwach wird, um zu stehen, sich zu bewegen. Wie der Hunger ihn sogar so schwach werden lässt, dass er nicht mehr versteht, was man zu ihm sagt. Eine beeindruckende Szene zeigt den Arzt, der ein Drahtgestell über den abgemagerten Körper legt, da die Stoffdecke dem schwachen Lungenapparat die Luft abdrücken würde. Als Sands dann langsam ins Koma abdriftet, kommen Kindheitserinnerungen zu Tage, man sieht, wie er an einem Fluss entlang rennt. Wie Vögel am Himmel fliegen, in Freiheit. Und dann ist Bobby Sands tot.
Der Film ist nicht nur eindringlich erzählt, intensiv, authentisch, er ist auch ein Kunstwerk in sich. Die Kameraführung fängt die Stimmung des Gefängnisses ein, spiegelt den körperlichen Verfall, die Isolation des Individuums in diesem Gefängnissystem. Dazu die Bildüberlagerungen:
Sands innerster Drang nach Freiheit während er ans Bett gefesselt ist, weil er zu schwach ist, sein staccato-artiges Ringen nach Luft, überlagert von Vögeln in einem dunklen Wald, die aufgescheucht durch ein Geräusch in die Luft steigen, je schneller die Atmenzüge kommen immer mehr Vögel, bis der ganze Schwarm in der Luft ist, und wegfliegt, und in der anderen Szene Bobby Sands sein Leben ausgehaucht hat.
Ich habe die Hungerstreikthematik in meinem Reisebericht über Belfast erwähnt, und wer mich kennt, weiß, wie fasziniert ich von der Thematik bin. Dieser Film hat somit bei mir sowieso einen Bonus. Aber auch wer mit der Hintergrundgeschichte nicht viel anfangen kann, sollte sich diesen Film anschauen. Denn allein die Art und Weise, wie dieser ungeheure Prozess dargestellt wird, ist fantastisch. Dazu die absolut grandiose Vorstellung aller Schauspieler, ganz besonders natürlich von Michael Fassbender, und fertig ist der für mich beste Film des Jahres.
Dienstag, 11. November 2008
Land in Sicht! Naja, so gut wie...
So, neues an der Zimmerfront. Heute war ein Handwerker da, der erstmal ganz professionell meine Zimmerdecke zur Hälfte mit einer Holzplatte abgedeckt hat (Nutzen bei Regen = 0). Nagut, jetzt kann ich immerhin wieder mein Bett ins Zimmer stellen und temporär "einziehen", bis dann irgendwann demnächst ein anderer Handwerker kommt, der die Decke dann richtig repariert. Dann wird das Zimmer gestrichen und ich kann endgültig einziehen. Wie lange das dauert? Keine Ahnung. Immerhin hat mich heute jemand aus dem Büro angerufen und mir diese Infos persönlich gegeben...
Das heißt also, dass ich die nächsten Wochen mit einem Bett und einem Regal lebe, weil ich ja irgendwann demnächst wieder raus muss lohnt es sich nicht, das Zimmer komplett einzurichten, mit Schrank etc. Aber okay, besser als irgendwo aufm Boden zu schlafen...
Sobalds was neues dazu gibt, meld ich mich natürlich wieder.
Sonst gehts mir wieder besser als gestern, aber das ist auch nicht schwer. Ich fühl mich etwas mehr daheim, mein Heimweh weicht langsam aber sicher wieder der Vorfreude, und die Leute sind wie immer. Auch weiß ich jetzt mehr denn je, dass ich ein paar meiner Mitbewohner als Freunde bezeichnen kann, was durchaus nicht unwichtig ist.
Bloß, dass die Küche immernoch extrem chaotisch ist, hätte sich ändern können. Aber okay, jetzt weiß ich immerhin, dass es nicht an mir liegt^^
Bis die Tage!
Euer Phil
Das heißt also, dass ich die nächsten Wochen mit einem Bett und einem Regal lebe, weil ich ja irgendwann demnächst wieder raus muss lohnt es sich nicht, das Zimmer komplett einzurichten, mit Schrank etc. Aber okay, besser als irgendwo aufm Boden zu schlafen...
Sobalds was neues dazu gibt, meld ich mich natürlich wieder.
Sonst gehts mir wieder besser als gestern, aber das ist auch nicht schwer. Ich fühl mich etwas mehr daheim, mein Heimweh weicht langsam aber sicher wieder der Vorfreude, und die Leute sind wie immer. Auch weiß ich jetzt mehr denn je, dass ich ein paar meiner Mitbewohner als Freunde bezeichnen kann, was durchaus nicht unwichtig ist.
Bloß, dass die Küche immernoch extrem chaotisch ist, hätte sich ändern können. Aber okay, jetzt weiß ich immerhin, dass es nicht an mir liegt^^
Bis die Tage!
Euer Phil
Montag, 10. November 2008
Gemischte Gefühle...
Gemischte Gefühle, so lassen sich die letzten Tage gut beschreiben. Aber gut, ich fang lieber ganz am Anfang an.
Wie ich ja auch geschrieben habe, bin ich am 31.10. zurück nach Deutschland geflogen, mein erster Urlaub stand an. Also, in der Früh meinen Koffer genommen, die Alkoholbestellung eingepackt und ab zum Busbahnhof. Nach über vier Stunden im Bus kam ich in Dublin am Flughafen an, dank eines Staus hatte ich noch 20 Minuten zum einchecken, also ab dafür. Hat dann auch alles geklappt, und nach knapp 2 1/2 Stunden Flug kam ich dann auch in München an.
Dort wurde ich von meiner Anne abgeholt, was so ziemlich einer der schönsten Momente meines Lebens war. Fast drei Monate haben wir uns nicht gesehen, eine viel zu lange Zeit...
Mit der S-Bahn gings dann zu mir, wo ich dann auch meine Eltern wieder gesehen habe.
Die folgende Woche waren wir viel unterwegs, Anne und ich, wir waren in Nürnberg und im Kino, ich hab mich mit ein paar Kumpels getroffen, wir haben einen Shishaabend gemacht, waren feiern, und wir haben mit ein paar von ihren Freunden Sushi gemacht, worin ich mittlerweile ja Übung hab^^
Naja, und dann kam natürlich der Moment, den ich in Gedanken ganz verdrängt hatte: die Rückreise. Nach einem leicht bedrückten Sonntag ging es am Abend wieder zum Flughafen. Jetzt, wo ich wieder da war, und gesehen habe, dass alles so ist, wie früher, und gemerkt habe, wie wichtig familiärer Rückhalt ist, was für tolle Freunde ich habe, und dass ich die beste Freundin der Welt habe, fiel mir der Abschied dreimal so schwer, wie beim ersten Mal...
Nach einer Nacht in Dublin gings dann zurück nach Galway, und jetzt kommt der abgehobene Teil.
Um das zu verstehen, muss ich kurz ausholen. Während ich weg war, ist ja Hannah Heim geflogen. Abgesprochen war, dass ich ihr Zimmer bekomme, und dass es erst gestrichen wird. Gut, kein Problem, ich dachte also, dass ich zurück komme, erstmal in mein altes Zimmer gehe, und dann umziehe.
Nun hat das Büro zwei neue Volunteers an Bord geholt, obwohl wir zur Zeit genug Leute haben. Die wohnten bisher in einem B&B, weil im Haus kein Platz war. Noch in Deutschland erreichte mich eine Mail von Manuel, in der es hieß, dass das Zimmer am Samstag gestrichen wird, damit am Montag die neuen Mädels einziehen können, weil ja dann ein Doppelzimmer (mein altes Zimmer) frei wird. Also wollten Arlei und Manuel mein altes Zimmer nehmen, das etwas größer ist, als ihr altes, die Mädels sollten dieses Zimmer bekommen, und mein Zeug wird in das frisch gestrichen Einzelzimmer unten gebracht.
Klingt ja ganz gut, und natürlich hats nicht geklappt.
Das Zimmer unten hat seit Ewigkeiten, wirklich Ewigkeiten ein Leck in der Decke, durch das es immer tropft wenn es regnet.
Am Sonntag, gegen die Abmachung, kam dann also der Maler, sieht die Decke, meint "Das muss erst gerichtet werden" und geht wieder. Am Montag kommen die neuen Mädels, ziehen in das alte Zimmer von Manuel und Arlei, die hauen ihr Zeug natürlich in mein altes Zimmer, ich komm Heim und hab erstmal kein Zimmer und kein Bett, weil "mein" Zimmer ja komplett ausgeräumt ist, für den Maler. Wunderbar, da macht heimkommen Spaß...
Irgendjemand im Büro hats also ordentlich versaut, aber niemand hielt es für nötig, mir wenigstens ne SMS zu schicken. Ich darf jetzt in Klaus' Zimmer aufm Boden auf einer Matratze schlafen, und ihm hat auch niemand Bescheid gesagt, er war ein paar Tage beim Wandern, kam heut Abend Heim und hat erfahren, dass er sein Zimmer auf unbestimmte Zeit mit mir teilen darf.
Ich fühl mich gerade nicht daheim. Beim besten Willen nicht. Ich soll der Freiwilligenkoordinatorin und den anderen im Büro vertrauen, sie sagen die ganze Zeit, dass wir uns im Haus zu hause fühlen sollen, und dann so ein Beispiel von Unzuverlässigkeit. Ich frage mich, ob das auch irisch ist. Ich weiß es nicht, und wenn es so ist, dann hoffe ich mal, dass ich mir diesen Habitus nicht angewöhne.
Ich war so sauer, dass sogar mit dem Gedanken gespielt habe, einfach nach Deutschland zurück zu fliegen, und die ganze Sache hier abzubrechen. Jetzt bin ich natürlich wieder soweit, dass das Schwachsinn wäre, weil ich mir nie verzeihen könnte, nicht mit so einer Kleinigkeit zurecht zu kommen, aber trotzdem ist die Situation alles andere als angenehm, und ich bin immernoch geladen.
Da kommt man nach einer der schönsten Wochen seines Lebens zurück zu einem Ort, den man mittlerweile als eine Art temporäres Zu hause betrachtet, was einem schon schwer fällt, wenn man merkt, wie sehr man die Heimat vermisst, und vor allem die Liebe und Geborgenheit seiner Freundin, und dann wird man mit einer Situation konfrontiert, die einem dieses leichte Gefühl von "Daheim" gründlich vermiest... Naja, beschwert hab ich mich im Büro, und jetzt muss ich mit der Situation leben. Wenn das ganze zu lange dauert, verlang ich ein B&B. Und sonst gewöhn ich mich einfach wieder an die Arbeit, und zähl die Tage bis meine Anne mich hier besucht...
So far, so good.
Euer Phil
Wie ich ja auch geschrieben habe, bin ich am 31.10. zurück nach Deutschland geflogen, mein erster Urlaub stand an. Also, in der Früh meinen Koffer genommen, die Alkoholbestellung eingepackt und ab zum Busbahnhof. Nach über vier Stunden im Bus kam ich in Dublin am Flughafen an, dank eines Staus hatte ich noch 20 Minuten zum einchecken, also ab dafür. Hat dann auch alles geklappt, und nach knapp 2 1/2 Stunden Flug kam ich dann auch in München an.
Dort wurde ich von meiner Anne abgeholt, was so ziemlich einer der schönsten Momente meines Lebens war. Fast drei Monate haben wir uns nicht gesehen, eine viel zu lange Zeit...
Mit der S-Bahn gings dann zu mir, wo ich dann auch meine Eltern wieder gesehen habe.
Die folgende Woche waren wir viel unterwegs, Anne und ich, wir waren in Nürnberg und im Kino, ich hab mich mit ein paar Kumpels getroffen, wir haben einen Shishaabend gemacht, waren feiern, und wir haben mit ein paar von ihren Freunden Sushi gemacht, worin ich mittlerweile ja Übung hab^^
Naja, und dann kam natürlich der Moment, den ich in Gedanken ganz verdrängt hatte: die Rückreise. Nach einem leicht bedrückten Sonntag ging es am Abend wieder zum Flughafen. Jetzt, wo ich wieder da war, und gesehen habe, dass alles so ist, wie früher, und gemerkt habe, wie wichtig familiärer Rückhalt ist, was für tolle Freunde ich habe, und dass ich die beste Freundin der Welt habe, fiel mir der Abschied dreimal so schwer, wie beim ersten Mal...
Nach einer Nacht in Dublin gings dann zurück nach Galway, und jetzt kommt der abgehobene Teil.
Um das zu verstehen, muss ich kurz ausholen. Während ich weg war, ist ja Hannah Heim geflogen. Abgesprochen war, dass ich ihr Zimmer bekomme, und dass es erst gestrichen wird. Gut, kein Problem, ich dachte also, dass ich zurück komme, erstmal in mein altes Zimmer gehe, und dann umziehe.
Nun hat das Büro zwei neue Volunteers an Bord geholt, obwohl wir zur Zeit genug Leute haben. Die wohnten bisher in einem B&B, weil im Haus kein Platz war. Noch in Deutschland erreichte mich eine Mail von Manuel, in der es hieß, dass das Zimmer am Samstag gestrichen wird, damit am Montag die neuen Mädels einziehen können, weil ja dann ein Doppelzimmer (mein altes Zimmer) frei wird. Also wollten Arlei und Manuel mein altes Zimmer nehmen, das etwas größer ist, als ihr altes, die Mädels sollten dieses Zimmer bekommen, und mein Zeug wird in das frisch gestrichen Einzelzimmer unten gebracht.
Klingt ja ganz gut, und natürlich hats nicht geklappt.
Das Zimmer unten hat seit Ewigkeiten, wirklich Ewigkeiten ein Leck in der Decke, durch das es immer tropft wenn es regnet.
Am Sonntag, gegen die Abmachung, kam dann also der Maler, sieht die Decke, meint "Das muss erst gerichtet werden" und geht wieder. Am Montag kommen die neuen Mädels, ziehen in das alte Zimmer von Manuel und Arlei, die hauen ihr Zeug natürlich in mein altes Zimmer, ich komm Heim und hab erstmal kein Zimmer und kein Bett, weil "mein" Zimmer ja komplett ausgeräumt ist, für den Maler. Wunderbar, da macht heimkommen Spaß...
Irgendjemand im Büro hats also ordentlich versaut, aber niemand hielt es für nötig, mir wenigstens ne SMS zu schicken. Ich darf jetzt in Klaus' Zimmer aufm Boden auf einer Matratze schlafen, und ihm hat auch niemand Bescheid gesagt, er war ein paar Tage beim Wandern, kam heut Abend Heim und hat erfahren, dass er sein Zimmer auf unbestimmte Zeit mit mir teilen darf.
Ich fühl mich gerade nicht daheim. Beim besten Willen nicht. Ich soll der Freiwilligenkoordinatorin und den anderen im Büro vertrauen, sie sagen die ganze Zeit, dass wir uns im Haus zu hause fühlen sollen, und dann so ein Beispiel von Unzuverlässigkeit. Ich frage mich, ob das auch irisch ist. Ich weiß es nicht, und wenn es so ist, dann hoffe ich mal, dass ich mir diesen Habitus nicht angewöhne.
Ich war so sauer, dass sogar mit dem Gedanken gespielt habe, einfach nach Deutschland zurück zu fliegen, und die ganze Sache hier abzubrechen. Jetzt bin ich natürlich wieder soweit, dass das Schwachsinn wäre, weil ich mir nie verzeihen könnte, nicht mit so einer Kleinigkeit zurecht zu kommen, aber trotzdem ist die Situation alles andere als angenehm, und ich bin immernoch geladen.
Da kommt man nach einer der schönsten Wochen seines Lebens zurück zu einem Ort, den man mittlerweile als eine Art temporäres Zu hause betrachtet, was einem schon schwer fällt, wenn man merkt, wie sehr man die Heimat vermisst, und vor allem die Liebe und Geborgenheit seiner Freundin, und dann wird man mit einer Situation konfrontiert, die einem dieses leichte Gefühl von "Daheim" gründlich vermiest... Naja, beschwert hab ich mich im Büro, und jetzt muss ich mit der Situation leben. Wenn das ganze zu lange dauert, verlang ich ein B&B. Und sonst gewöhn ich mich einfach wieder an die Arbeit, und zähl die Tage bis meine Anne mich hier besucht...
So far, so good.
Euer Phil
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