Gemischte Gefühle, so lassen sich die letzten Tage gut beschreiben. Aber gut, ich fang lieber ganz am Anfang an.
Wie ich ja auch geschrieben habe, bin ich am 31.10. zurück nach Deutschland geflogen, mein erster Urlaub stand an. Also, in der Früh meinen Koffer genommen, die Alkoholbestellung eingepackt und ab zum Busbahnhof. Nach über vier Stunden im Bus kam ich in Dublin am Flughafen an, dank eines Staus hatte ich noch 20 Minuten zum einchecken, also ab dafür. Hat dann auch alles geklappt, und nach knapp 2 1/2 Stunden Flug kam ich dann auch in München an.
Dort wurde ich von meiner Anne abgeholt, was so ziemlich einer der schönsten Momente meines Lebens war. Fast drei Monate haben wir uns nicht gesehen, eine viel zu lange Zeit...
Mit der S-Bahn gings dann zu mir, wo ich dann auch meine Eltern wieder gesehen habe.
Die folgende Woche waren wir viel unterwegs, Anne und ich, wir waren in Nürnberg und im Kino, ich hab mich mit ein paar Kumpels getroffen, wir haben einen Shishaabend gemacht, waren feiern, und wir haben mit ein paar von ihren Freunden Sushi gemacht, worin ich mittlerweile ja Übung hab^^
Naja, und dann kam natürlich der Moment, den ich in Gedanken ganz verdrängt hatte: die Rückreise. Nach einem leicht bedrückten Sonntag ging es am Abend wieder zum Flughafen. Jetzt, wo ich wieder da war, und gesehen habe, dass alles so ist, wie früher, und gemerkt habe, wie wichtig familiärer Rückhalt ist, was für tolle Freunde ich habe, und dass ich die beste Freundin der Welt habe, fiel mir der Abschied dreimal so schwer, wie beim ersten Mal...
Nach einer Nacht in Dublin gings dann zurück nach Galway, und jetzt kommt der abgehobene Teil.
Um das zu verstehen, muss ich kurz ausholen. Während ich weg war, ist ja Hannah Heim geflogen. Abgesprochen war, dass ich ihr Zimmer bekomme, und dass es erst gestrichen wird. Gut, kein Problem, ich dachte also, dass ich zurück komme, erstmal in mein altes Zimmer gehe, und dann umziehe.
Nun hat das Büro zwei neue Volunteers an Bord geholt, obwohl wir zur Zeit genug Leute haben. Die wohnten bisher in einem B&B, weil im Haus kein Platz war. Noch in Deutschland erreichte mich eine Mail von Manuel, in der es hieß, dass das Zimmer am Samstag gestrichen wird, damit am Montag die neuen Mädels einziehen können, weil ja dann ein Doppelzimmer (mein altes Zimmer) frei wird. Also wollten Arlei und Manuel mein altes Zimmer nehmen, das etwas größer ist, als ihr altes, die Mädels sollten dieses Zimmer bekommen, und mein Zeug wird in das frisch gestrichen Einzelzimmer unten gebracht.
Klingt ja ganz gut, und natürlich hats nicht geklappt.
Das Zimmer unten hat seit Ewigkeiten, wirklich Ewigkeiten ein Leck in der Decke, durch das es immer tropft wenn es regnet.
Am Sonntag, gegen die Abmachung, kam dann also der Maler, sieht die Decke, meint "Das muss erst gerichtet werden" und geht wieder. Am Montag kommen die neuen Mädels, ziehen in das alte Zimmer von Manuel und Arlei, die hauen ihr Zeug natürlich in mein altes Zimmer, ich komm Heim und hab erstmal kein Zimmer und kein Bett, weil "mein" Zimmer ja komplett ausgeräumt ist, für den Maler. Wunderbar, da macht heimkommen Spaß...
Irgendjemand im Büro hats also ordentlich versaut, aber niemand hielt es für nötig, mir wenigstens ne SMS zu schicken. Ich darf jetzt in Klaus' Zimmer aufm Boden auf einer Matratze schlafen, und ihm hat auch niemand Bescheid gesagt, er war ein paar Tage beim Wandern, kam heut Abend Heim und hat erfahren, dass er sein Zimmer auf unbestimmte Zeit mit mir teilen darf.
Ich fühl mich gerade nicht daheim. Beim besten Willen nicht. Ich soll der Freiwilligenkoordinatorin und den anderen im Büro vertrauen, sie sagen die ganze Zeit, dass wir uns im Haus zu hause fühlen sollen, und dann so ein Beispiel von Unzuverlässigkeit. Ich frage mich, ob das auch irisch ist. Ich weiß es nicht, und wenn es so ist, dann hoffe ich mal, dass ich mir diesen Habitus nicht angewöhne.
Ich war so sauer, dass sogar mit dem Gedanken gespielt habe, einfach nach Deutschland zurück zu fliegen, und die ganze Sache hier abzubrechen. Jetzt bin ich natürlich wieder soweit, dass das Schwachsinn wäre, weil ich mir nie verzeihen könnte, nicht mit so einer Kleinigkeit zurecht zu kommen, aber trotzdem ist die Situation alles andere als angenehm, und ich bin immernoch geladen.
Da kommt man nach einer der schönsten Wochen seines Lebens zurück zu einem Ort, den man mittlerweile als eine Art temporäres Zu hause betrachtet, was einem schon schwer fällt, wenn man merkt, wie sehr man die Heimat vermisst, und vor allem die Liebe und Geborgenheit seiner Freundin, und dann wird man mit einer Situation konfrontiert, die einem dieses leichte Gefühl von "Daheim" gründlich vermiest... Naja, beschwert hab ich mich im Büro, und jetzt muss ich mit der Situation leben. Wenn das ganze zu lange dauert, verlang ich ein B&B. Und sonst gewöhn ich mich einfach wieder an die Arbeit, und zähl die Tage bis meine Anne mich hier besucht...
So far, so good.
Euer Phil
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