Donnerstag, 30. April 2009

Kreuze: Michael Moore und Richard Dawkins...

... und fertig ist der Film "Religulous". Ich habe mir dieses Werk nun zu Gemüte geführt, denn im ersten Moment denkt man: "Ein Film, der sich über Religion lustig macht bzw. diese kritisch hinterfragt, wie schön". Wenn dann nicht das große "Aber" kommen müsste...

Kurze Rahmenhandlung: Bill Maher, seines Zeichens amerikanischer Komiker, reist um die Welt und interviewt Religionsführer etc., um einen kritischen Blick vor allem auf die abrahimitischen Religionen zu werfen und durch intensives Nachfragen die unglaubwürdigen Elemente, logischen Fehler usw. zu entlarven.

Ansich ein lobenswerter Ansatz, vor allem zu Beginn überzeugt Maher mit seiner Argumentation, er widerlegt seine Gesprächspartner nach Strich und Faden, auf der Suche nach dem Sinn, der Daseinsberechtigung und dem Einfluss von Religion. Dummerweise bleibt es nicht bei diesem Stil. Je weiter der Film fortschreitet, desto mehr verlagert sich die Attitüde der Produktion auf bloßes Zurschaustellen von Leuten, die an etwas glauben. Gesprächspartner können ihre Argumentation, so sinnlos und lächerlich sie einem Atheisten erscheinen mag, nicht ausführen, sie werden verspottet und gnadenlos durch den Kakao gezogen. Das ist beim ersten Mal ja noch recht amüsant. Aber dann fragt man sich: wozu verschwendet ein so gebildeter Mann, der auf so gut recherchierte Fakten zurückgreifen kann, so viel Energie darauf, an diesen Leuten seine Intoleranz auszulassen? Damit repräsentiert dieser Film auch ein großes Problem der atheistischen Bewegung heutzutage:
Intoleranz.

Was Atheisten (und auch die Filmemacher) ihren Gegner, ganz besonders dem Christentum und dem Islam, vorwerfen, ist, dass diese ihre Meinung nicht akzeptieren können und versuchen, jeden zu bekehren. Nun, ich habe in meinem Leben bisher mehr Atheisten getroffen, die Gläubige fertig machen und sie vom Glauben abbringen wollen, als Gläubige, die aktiv missionieren.
Versteht mich nicht falsch, ich bin Atheist, aber manchmal denk ich mir doch, dass es seltsam ist: Atheisten sind wesentlich intoleranter, als sie den Kirchen vorwerfen zu sein.
Atheisten berufen sich dabei immer auf die "Beweise" und die Logik ihrer Argumentation, in der festen Überzeugung, dass jeder, der diese Beweise nicht sieht und akzeptiert, dumm sein müsse. Aber was die wenigsten Atheisten sehen, ist dass sie nur einen Ansatz zur Frage nach dem Sinn liefern. Gläubige liefern einen anderen, der sich halt nicht auf "Wissenschaft" (übrigens sehr verlässlich, kommt man vom Menschen selber, und dass der unfehlbar ist, wissen wir ja alle...) beruft. Wenn Atheisten endlich mal akzeptieren könnten, dass es Leute gibt, die an was anderes glauben wollen, und das dürfen sie ja auch, und diese ganze Energie auf andere Dinge verwenden würden, wie schön wäre doch die Welt...
Ich stelle den Religionen hier keinen Persilschein aus, im Gegenteil, aber die sind grad nicht Thema der Kritik ;)

In dem Sinne: soll doch jeder glauben, was er will, solang er andere damit in Ruhe lässt.
Oh, und ein kleiner Denkanstoß: wenn so eine Doku wie "Religulous" rauskommt, dann ist das in Ordnung. Aber jetzt stellt euch mal das Geschrei vor, wenn eine mehrere Millionen teure Doku rauskommen würde, in der sich religiöse Menschen über Atheisten lustig machen...

Cheers,
Phil

2 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

Deine Analyse gefällt mir!

rybi hat gesagt…

Ich fand ihn enttäuschend!